Die Tonpfeifen von Bourscheid

Bei den Ausgrabungen im Schlosse von Bourscheid, wurden an verschiedenen Stellen eine große Anzahl von gebrochenen Tonpfeifen gefunden. Sie sind von großem Wert, vor allem in archäologischer Hinsicht, da ihre Zeitdeutung sich in einem Abstand von 20-30 Jahren sichern lässt, durch ihre Form und in vielen Fällen durch die Handwerkszeichen ihrer Hersteller.

Funde von Tonpfeifen können oft, durch ihre geschichtliche Deutung, den Mangel an Münzfunden ersetzen.

Durch ihre leichte Zerbrechlichkeit hatten die Tonpfeifen nur eine begrenzte Lebendauer. Die meisten wurden deshalb im Falle eines "Falles", schon bald nach ihrer Herstellung wieder weggeworfen.

Am Ende des 16. Jahrhunderts befand sich die Herstellung von Tonpfeifen schon im handwerklichen Aufstieg. Besonders in England, wo die ersten europäischen Tonpfeifen hergestellt wurden. Im Jahre 1668 schrieb Edmé Baillar in seinem Discours du Tabac : Die Engländer haben die Pfeifen aus gebrannter Erde erfunden, die heute in der ganzen Welt gebraucht werden. Die Engländer haben die Tonpfeife nicht erfunden, sondern sie nachgemacht. Erfinder waren die sogenannten "Wilden" von denen die Engländer einige Tonpfeifen aus ihren Kolonien in Virginia (Amerika) nach Europa brachten. Schon 1575 wurden die ersten Tonpfeifen hergestellt. Die Pfeifen waren ungefähr 7,6 cm lang und besaßen noch sehr schmale Köpfe, da der Tabak damals noch selten und sehr teuer war.

Um 1650 wurden die Pfeifenköpfe breiter, da auch der Anbau von Tabak in großen Massen begann. Die pfeifen wurden zwischen 20 und 28 cm lang. Schöne Dekorationen verzierten nicht nur die Köpfe, sonder auch die Pfeifenstiele. Der Name des Herstellers war öfters auf dem Kopfe angebracht.

Im 18. Jahrhundert wurde der flache Absatz der Pfeifenköpfe durch einen Sporn ersetzt; auf demselben waren öfters die Initialen der Hersteller oder ein Handwerkszeichen angebracht. Die Länge der Pfeifen erreichte 38-45 cm. Auf alten Stichen kann man öfters diese Riesenpfeifen bewundern. Die reichen Leute nahmen die Prise, nur die einfachen Leute, die Soldaten und Seeleute rauchten die Tonpfeife.

Damals wurde die Form der Pfeifenköpfe noch länger und breiter. Der Pfeifenkopf stand in einem stumpfen Winkel zum Stiel; derselbe verkürzte sich bis zum 18. Jahrhundert soweit, dass der Pfeifenkopf manchmal fast, und öfters ganz, in der Richtung des Stiels stand.

Nach 1800 wurden die Pfeifenköpfe wieder schmaler, bis auf wenige Ausnahmen des 19. Jahrhunderts, wo es Pfeifenköpfe gab, die fast einen ganzen Tabakbeutel versschlangen.

In der Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts starben die meisten Hersteller der Tonpfeifen aus, mit Ausnahme von einigen größeren Fabrikanten.

Die Funde von Bourscheid sind also von großer Bedeutung für einen Teil der Geschichte der Burg. Den Katalogen nach stammen die ältesten dort gefundenen Tonpfeifen, mit Männerköpfen oder Blumen verziert, aus dem 17. Jahrhundert; wahrscheinlich haben die Soldaten,, welche die Stadt Luxemburg während des dreißigjährigen Krieges nach der Burg von Bourscheid entsandte, um dort Einwohner der Umgegend zu schützen, die ersten Tonpfeifen geraucht?

Einige der in Bourscheid gefundenen Pfeifen stellen einen Männerkopf dar. Diese Pfeifen, "Sir Walter Raleih" genannt, wurden in Gouda (Holland) um 1635 hergestellt, nach einem englischen Muster von 1600. Sehr schön verziert waren auch die Pfeifenstiele, und man kann ohne Übertreibung sagen, dass die Arbeit eines Pfeifenherstellers außergewöhnlich war, und man dieselbe als Kunsthandwerk bezeichnen kann.

Schließen wir uns den Worten von Jean-Léo an, der in seinem Buche : Les Pipes en Terre Françaises geschrieben hat :
La pipe en terre, c'est de l'art populaire à l'état pur

Nicolas LEYDER

 

 

 

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Quellenangabe  Les Pipes en Terre Françaises (Le Grenier du Collectionneur)
Collins Field Guide to Archaeology in Britain
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Gefundene Fragmente

I-XIV :
Fragmente von Tonpfeifen die bei den Ausgrabungen geborgen wurden. (Wahrscheinlich 17. Jh.)

                   Tonpfeifen 1Tonpfeifen 2

Tonpfeifen 3Tonpfeifen 4Tonpfeifen 5
Photos I-XIV:
Norbert Thill (Archives Heimat und Mission, Clairfontaine)